Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliotheks- und Informations­wissen­schaft

Erstcheck NS-Raubgut für Öffentliche Bibliotheken

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Projekt gefördert unter Projekt-ID LA03-I2021 von DZKulturgutverluste.png

 

Projektlaufzeit: 15.01.2022-14.01.2024

Projektleitung: Deutscher Bibliotheksverband, Kommission Provenienzforschung und Provenienzerschließung, Michaela Scheibe & Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Prof. Dr. Vivien Petras

Projektmitarbeiter: Norman Köhler

Aktuelles

18.01.2022

Norman Köhler hat am 17.01.2022 den ersten Tag im Projekt bestritten. Nach einer Einarbeitungsphase wird zunächst der Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek in Zittau einem Erstcheck auf NS-Raubgut unterzogen. Tatkräftige Unterstützung erhält das Projekt dabei durch die Kooperation mit der Abteilung Altbestände | Provenienzforschung | Koordinierungsstelle NS-Raubgut der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken.

16.12.2021

Aufgrund der derzeit noch pandemiebedingt schwierigen Situation wird das Projekt nun zum 15.01.2022 starten. Als Projektbearbeiter wurde der Provenienzforscher Norman Köhler gewonnen, der am 15. Januar 2022 seine Arbeit aufnehmen wird. Norman Köhler besitzt langjährige praktische Erfahrungen, z.B. aus einschlägigen Projekten an der SLUB Dresden, und war zuletzt im Kieler Provenienzforschungsprojekt zu den Beständen des ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft tätig.

29.05.2021

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste hat den auf zwei Jahre angelegten Projektantrag im April 2021 bewilligt. Aufgrund der derzeit noch pandemiebedingt schwierigen Situation und der notwendigen Stellenausschreibung für den/die wiss. Projektbearbeiter/in ist der Projektstart für den 1. November geplant.

Projektbeschreibung

Das Vorhaben will deutschlandweit in einer repräsentativen Auswahl Erstchecks in Öffentlichen Bibliotheken durchführen, um eine fundierte Einschätzung zu potentiellem NS-Raubgut in diesen noch kaum untersuchten Beständen zu erarbeiten. Damit soll eine belastbare Grundlage geschaffen werden, um die Provenienzforschung in diesem Bereich zielgerichtet vorantreiben zu können. Die Projektplanung sieht Erstchecks in altbestandsbesitzenden Öffentlichen Bibliotheken unterschiedlichster Größe und Ausrichtung aus acht Bundesländern vor. Berücksichtigt werden Bestände von wenigen hundert (Kreisfahrbücherei Celle) bis über hunderttausend Bänden (Stadt- und Landesbibliothek Dortmund), deren Herkunft oft unbekannt, in der Hälfte der Fälle jedoch durch erste Verdachtsmomente belastet ist.

Diese breit gestreute Bestandsprüfung kann nur gelingen, wenn den Öffentlichen Bibliotheken selbst kaum Aufwände entstehen. Deshalb soll ein Provenienzforscher / eine Provenienzforscherin 15 Bibliotheken für jeweils ca. eine Woche aufsuchen, die Altbestände und – soweit vorhanden und zugänglich – die vor Ort vorhandenen Erwerbungsunterlagen prüfen, im Vor- und Nachgang weitere Recherchen durchführen und die jeweiligen Ergebnisse insbesondere zu künftigen Forschungsbedarfen in standardisierten Dossiers zusammenfassen. Mit diesem Projektaufbau können ein zielgruppenadäquates Verfahren zum Erstcheck angeboten und gleichzeitig über die Prüfroutine derselben Projektkraft vergleichbare Einschätzungen erzielt werden. Den Einrichtungen selbst sollen im Projekt lediglich die Vor- und Nachbereitung sowie vor allem die Begleitung der einzelnen Bibliotheksbesuche durch eigenes Personal unterstützen.

Beteiligte Bibliotheken

Baden-Württemberg

Reutlingen Stadtbibliothek Reutlingen ca. 4.000 Bände (vor 1945 erschienen)
Singen Hegau-Bibliothek Singen ca. 100.000 Bände, u.a. 1933-1945 erschienene Belletristik (Geschenkzugänge)
Ulm Stadtbibliothek Ulm ca. 1.000 bis 1.500 Bände (vor 1945 erschienen, Zugang bis 1955)

Bayern

Hof Stadtbücherei Hof ca. 1.300 Bände (vor 1945 erschienen)
München Münchner Stadtbibliothek über 190.000 Bände (vor 1945 erschienen)
Nürnberg Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg ca. 34.000 Bände (Zugang 1933 bis 1945)

Niedersachsen

Celle/Eschede Fahrbücherei Landkreis Celle ca. 500 Bände (vor 1945 erschienen, aus der aufgelösten Kreisbücherei Celle)

Nordrhein-Westfalen

Aachen Stadtbibliothek Aachen ca. 110.000 Bände (vor 1945 erschienen)
Altena Stadtbücherei Altena ca. 500 Bände (vor 1945 erschienen)
Dortmund Stadt- und Landesbibliothek Dortmund ca. 80.000 Bände (bis 1949 erworben und heute erhalten; 1942 noch 320.000 Bände, Kriegsverluste über die Zugangsbücher fassbar)
Köln Germania Judaica, Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums e.V. ca. 5.000 Bände (vor 1945 erschienen)

Rheinland-Pfalz

Trier Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Trier ca. 15.000 Bände (11.790 Zugänge 1933 bis 1945, hinzu kommen nach 1945 jährlich 10-20 antiquarische Erwerbungen)

Sachsen

Zittau Christian-Weise-Bibliothek Zittau/ in Kooperation mit der Sächsischen Landesfachstelle für Bibliotheken, Abteilung Altbestände | Provenienzforschung | Koordinierungsstelle NS-Raubgut (Chemnitz) ca. 60.900 Bände (vor 1945 erschienen)

Schleswig-Holstein

Lübeck Bibliothek der Hansestadt Lübeck ca. 10.000 Bände (vor 1945 erschienen)

Thüringen

Erfurt Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt über 17.000 Bände (1933-1945 erworben, hinzu kommen Erwerbungen nach 1945)

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