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Die Geschichte des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI) – Teil II

Wiedereröffnung und Weiterentwicklung: Das Institut während der Zeit der DDR (1954 - 1989)

Dieser Blogbeitrag ist im Rahmen des Projektseminars „90 Jahre IBI - ein Grund zum Feiern“ im Sommersemester 2018 entstanden. Das Seminar hat die Feierlichkeiten zum 90 – jährigen Bestehen des IBI im Wintersemester 2018/19 vorbereitet. Christoph Hussel studiert am Institut im 4. Bachelorsemester und hat sich als Teilnehmer des Projektseminars u.a. mit der Geschichte des IBI beschäftigt. In mehreren Beiträgen liefert er Einblicke in die bewegte Vergangenheit des Institutes.

Wiedereröffnung und Weiterentwicklung: Das Institut während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik (1954-1989)

Bereits in den Jahren 1953/54 wurde an der Philosophischen Fakultät die Fachrichtung Bibliothekswissenschaft eingerichtet. 1954 wurde dann das Bibliothekswissenschaftliche Institut mit Sitz im Haus der Deutschen Staatsbibliothek in der Universitätsstraße 7 gegründet und 1955 wiedereröffnet (Kindling, Petras & Seadle, 2013).

Es wurde eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung entwickelt, in der Gründungsurkunde vom 01. November 1955 werden die Aufgaben folgendermaßen definiert: „Das Institut soll der Förderung von Lehre und Forschung sowie der Erziehung der Studenten zu wissenschaftlicher Arbeit und ihrer Vorbereitung auf die Berufspraxis in Übungen und Seminaren vermitteln“. Zum ersten kommissarischen Direktor des wiedereröffneten Institutes wurde Prof. Dr. Horst Kunze (Abb. 1) ernannt, Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek von 1950 bis 1976. Sein Stellvertreter war Prof. Dr. Joris Vorstius.

Prof. Dr. Horst Kunze (1909-2000)
horst kunze

Prof. Dr. Horst Kunze, Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek (1950 – 1976), war von 1955 bis 1968 Direktor des Instituts für Bibliothekswissenschaft. Für sein fachliches und persönliches Engagement wurde ihm 1979 die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin verliehen (Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information, 1980). Zudem wurde am 22.09.2011 im Berliner Ortsteil Grünau der „Horst-Kunze-Weg“ nach ihm benannt.

Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag zu Prof. Dr. Horst Kunze.

 

 

 

  Abb. 1 – Prof. Dr. Kunze

Im Jahr 1957 legten die ersten fünf Absolventen des Instituts das Staatsexamen für den wissenschaftlichen Bibliotheksdienst ab. Als erste weibliche Hochschullehrerin des Instituts wurde Dr. Ruth Unger am 01.01.1961 mit einem Lehrauftrag für Bibliographie berufen. Ebenfalls im Jahr 1961 folgte Prof. Dr. Othmar Feyl einem Ruf an das Institut, 1962 Prof. Dr. Hans Lülfing. Am 21.07.1965 wurde das erste Promotionsverfahren am Institut durchgeführt: Friedrich Nestler promovierte zum Thema „Friedrich Adolf Ebert 1791-1834 und seine Stellung im nationalen Erbe der deutschen Bibliothekswissenschaft“. Das zehnjährige Jubiläum des wiedergegründeten Instituts wurde am 14.12.1965 mit einem Festvortrag zum Thema „Bücher, Bibliotheken und Leser in der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts“ gefeiert.1966 gründete das Institut eine neue Abteilung für gesellschaftswissenschaftliche Information und Dokumentation unter der Leitung von Prof. Dr. Josef Koblitz. Infolgedessen wurde das Institut umbenannt in "Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information" (Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information, 1975).

Bei der ersten Vollversammlung des Instituts im Januar 1969 wurde der langjährige Direktor Prof. Dr. Host Kunze verabschiedet. Prof. Dr. Werner Dube wurde als sein Nachfolger eingeführt. Vor dem Hintergrund der 3. Hochschulreform erhielt das Institut eine neue Struktur: Die beiden Fachbereiche Bibliothekswissenschaft und Informations- und Dokumentationswissenschaft wurden gebildet, sowie eine Abteilung Weiterbildung/Fernstudium geschaffen. Zudem erfolgte eine Vergrößerung des Personals und zwei stellvertretende Direktoren für die Bereiche „Erziehung und Ausbildung“ bzw. „Forschung“ wurden berufen. Am 25.08.1971 wurde die 1. Matrikel Fernstudium Bibliothekswissenschaft immatrikuliert.1972 berief das Institut Prof. Dr. habil. Helmut Kubitschek zum neuen Institutsdirektor (Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information, 1975).

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens nach seiner Wiedereröffnung lud das Institut vom 04. bis 05. November 1975 zur Konferenz „Entwicklungsprobleme der Bibliothekswissenschaft und der Informations- und Dokumentationswissenschaft als Hochschuldisziplinen“ (Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information, 1980).

Im September 1981 wurden Dr. Friedhilde Krause, Generaldirektorin der Deutschen Staatsbibliothek zu Berlin von 1977-1988, und Dr. Waltraud Irmscher, Direktorin der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, zu außerordentlichen Professorinnen für Bibliothekswissenschaft berufen, im September 1982 wurde Dr. Gotthard Rückl, Direktor des Zentralinstituts für Bibliothekswesen, Honorarprofessor für Bibliothekswissenschaft. 1983 folgte die Berufung von Dr. Heinz Werner, Direktor der Berliner Stadtbibliothek (Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information, 1991).

Mit dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik kam es auch am Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information zu einschneidenden Veränderungen struktureller und personeller Natur. Dieser Wandel am Institut wird im dritten Blogbeitrag unserer Reihe vorgestellt.

Hinweis: Ausführliche Informationen zur Geschichte der bibliothekswissenschaftlichen Ausbildung in Berlin zwischen 1928 und 1995 finden Sie auch unter: https://www.ibi.hu-berlin.de/de/institut/leitbild/gesch-ausbildung

Quellen
  • Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information (1975), Chronik und bibliographisches Verzeichnis der Veröffentlichungen, Dissertationen, Diplomarbeiten und Abschlußarbeiten des Instituts 1955-1975 [erarb. von Friedrich Nestler und Gertrud Pannier]. Berlin.
  • Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information (1980), Chronik und bibliographisches Verzeichnis der Veröffentlichungen, Dissertationen, Diplomarbeiten und Abschlußarbeiten des Instituts 1955-1980 [erarb. von Friedrich Nestler und Gertrud Pannier]. 2., überarb. u. ergänzte Aufl. Berlin.
  • Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information (1991), Chronik und bibliographisches Verzeichnis der Veröffentlichungen, Dissertationen, Diplomarbeiten und Abschlußarbeiten 1980-1990 [erarb. von Friedrich Nestler und Gertrud Pannier]. Berlin
  • Kindling, M., Petras, V. & Seadle, M. (2013), Editorial. Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, Information - Wissenschaft & Praxis, 64, 2-3, S. 69 – 73.