Pizza auf dem Bibliothekskongress
oder: Wie das IBI in Leipzig mit zahlreichen Aktivitäten für sich warb
von Matti Stöhr
Die Ankündigung im Programm des 3. Leipziger Kongresses für Bibliothek
und Information, welcher vom 19. bis zum 22. März 2007 im Congress
Center auf dem Leipziger Messegelände stattfand, war nicht zu
überlesen. In fettgedruckter Schrift stand darin geschrieben:
„Die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) präsentiert dieses Jahr auf
dem BID-Kongress in Leipzig die gelungene Kooperation
inner-universitärer Einrichtungen: Am Stand der HU (Stand-Nr. W024)
werden der Computer- und Medienservice, die Universitätsbibliothek
sowie das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (IBI)
vertreten sein. Am Mittwoch, den 21. März, laden die Studierenden des
IBI, Sie herzlich zu einer Pizza-Stunde zwischen 12 und 14 Uhr ein!
Unter dem Motto "Wir sind wie Pizza!" möchten sich die Studierenden mit
ihrem Institut, dem Studium und den Studieninhalten vorstellen." [1]
Bereits kurz vor zwölf versammelte sich eine große Menschentraube vor dem Gemeinschaftsstand des IBI, des CMS und der UB der HU und es war keine Viertelstunde vergangen, da waren die drei sündhaft teuren Messe-Pizzableche auch schon leergefegt. In dieser Zeit war es im Gang, in dem sich der HU-Stand in bester Nachbarschaft zu den Ständen der Berliner Staatsbibliothek und OCLC PICA befand, kaum möglich, sich entspannt zu unterhalten, geschweige denn, sich und das Institut über Gespräche adäquat zu präsentieren. Das gelang erst, als der Ansturm abebbte und man die ein oder andere Person, die fragte ob es noch Pizza gäbe, in ein Gespräch über das Studium am IBI und die Berufschancen verwickeln konnte. Unabhängig von der kleinen Pizzaaktion, von der man in meinen Augen nicht wirklich einschätzen kann, ob sie – mit der Intention, dass die Studierenden sich präsentieren – gelungen war, war das IBI und seine Angehörigen auf dem diesjährigen Bibliothekskongress höchst präsent.
Fachschaftsfahrt nach Leipzig
Die Präsenz ließe sich schon allein an der Anzahl der Personen
festmachen, die aus dem Institut zum Kongress nach Leipzig anreisten.
Die Fachschaftsinitiative (FSI), allen voran Maxi Kindling und Elke
Greifeneder, organisierte eine gemeinsame, studentische Fahrt nach und
eine Unterkunft in Leipzig. Mehr als drei Dutzend IBI-Studierende
folgten dem Ruf der FSI und schlossen sich der Reisegruppe an. Auch
einige Studenten der FH Potsdam waren dabei. Der Trip nach Leipzig am
Vorabend des Bibliothekskongresses bot auch gewisse Anreize. Zum ersten
wurde den Teilnehmenden ein Reisekostenzuschuss in Aussicht gestellt
und zum zweiten wurde mit der Institutsleitung vereinbart, dass man
durch Engagement auf dem BID-Kongress Teilexkursionsscheine erwerben
konnte. Außerdem kam man als „Mitfahrer“ in die Gelegenheit, als eine
der ersten Personen das taufrisch-neue IBI-T-Shirt sein Eigen zu
nennen. Die von zwei Kommilitoninnen liebevoll gestalteten,
persönlichen Visitenkarten, die während der Zugfahrt ausgegeben wurden,
dürfen nicht unerwähnt bleiben.
Eine ganze Reihe von IBI-Dozenten war ebenso in Leipzig zugegen.
Stand, Flyer und Gummibärchen
Die Chance, einen Teilexkursionsschein zu erwerben, hatte man zum
Beispiel durch Präsenz am Stand. Der gemeinsame Stand mit dem CMS
und der UB, der unter der Ägide von Matthias Schulz, Hans-Ulrich Kamke
und Olaf Eigenbrodt betreut wurde, war auch einer der zentralen
Aktivitäten des Instituts auf dem Kongress. Ein hochformatiges Poster,
das schlaglichtartig über das IBI, die angebotenen Studiengänge und
Forschungsschwerpunkte informierte, hing unübersehbar unter (etwas
übertrieben) Schweinwerferlicht an der Rückwand des Standes, umrahmt
von den Pendants des CMS und der UB. Die Poster wurden durch
ansprechende Power-Point-Slideshows inhaltlich ergänzt, die auf einem
großen Flachbildschirm de facto in Dauerschleife liefen. Daneben wurde
eine Vielzahl von Informationsmaterial in Form von Flyern aufgefächert,
die Interessierte mitnehmen konnten. Zu den Infobroschüren gehörten
nicht nur Flyer, die über das IBI selbst Auskunft gaben, sondern auch
solche zu bestimmten Projekten mit Institutsbeteiligung, wie zum
Beispiel zur Informationskompetenz und dem BOBCATSSS-Projekt.
Faltblätter über die Aktivitäten der AG Elektronisches Publizieren des
CMS waren ebenso vorhanden, wie die über den Neubau der
Universitätsbibliothek. Meinem Eindruck zufolge, fanden diese
Infomaterialien fast ausnahmslos Beachtung und Abnehmer. Es gab kaum
einen Standbesucher, der nicht ohne einen Flyer wieder ging. Geschickt
wurde die Aufmerksamkeit auf die Flyer auch über einen direkt daneben
stehenden, stets gefüllten Fruchtgummiteller gelenkt.
Foto: Sebastian Wilke
Vorträge, Podiumsdiskussion, Posterpräsentationen
Der Stand mit den anziehenden Gummibärchen war bei weitem nicht die
einzige Aktivität des Institutes und seiner Angehörigen. Man beteiligte
sich direkt am inhaltlichen Programm der Tagung, welche unter dem Motto
„Information und Ethik“ stand. Das geschah unter anderem mit Vorträgen.
Gleich am ersten Kongresstag, am Morgen des 19. März, referierte Prof.
Peter Schirmbacher in der Session zu Open Access zum Thema „Open
Access – Informations- und Repository-Netzwerk in Deutschland. Wenige
Stunden später hielt der Institutsdirektor Prof. Michael Seadle im
Block zu Urheberecht und Datenschutz einen Vortrag zum Thema „Verwaiste
Werke: Copyright – Recht und Risiko“. Parallel dazu wurde der 7.
Workshop von Dissonline abgehalten, bei dem Matthias Schulz,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Seadle,
„DissOnline-Tutor“ unter dem Gesichtspunkt der Autorenunterstützung für
Textverarbeitungssysteme vorstellte. Am dritten Tag des Kongresses
thematisierten Herr Seadle und Herr Umlauf mit ihren routiniert
gehaltenen Vorträgen in der Sektion „Ausbildungsgänge und
Ausbildungseinrichtungen“, die Studiensituation sowie die neuen
Forschungsaktivitäten und -perspektiven am Berliner Institut für
Bibliotheks- und Informationswissenschaft.
Dass IBI-Studierende sich aktiv inhaltlich am
Kongress beteiligten, war sehr erfreulich, vor allem dadurch, dass sie
sich in bisher eher vernachlässigte bibliothekarische Themen
einmisch(t)en. So gaben Maxi Kindling und Ben Kaden rechtzeitig zum
Bibliothekskongress einen Sammelband zum Thema „Soziale
Bibliotheksarbeit“ heraus und moderierten dazu in Leipzig unter hohem
Publikumsinteresse (der Raum war übervoll) eine Podiumsdiskussion. Auch
im Rahmen des traditionellen Newcomertreffs des Berufsverbandes
Information Bibliothek e. V. (BIB) konnte man auf sich aufmerksam
machen: Zwei Posterpräsentationen kamen von Studierenden des Instituts.
Die eine, konzipiert und erstellt von Diana Marti, Jana Rumler und
Sebastian Wilke, zeigte mit der Präsentation des Buchprojektes des
vergangenen Semesters, wie eine Verlagspublikation mit einer
gleichzeitigen Open-Access-Verfügbarkeit vereinbar ist. Erstsemester
Sebastian Letz machte mit seinem Poster, das von ihm im Rahmen seiner
FAMI-Ausbildung absolvierte, einmonatige Praktikum in der Bibliothek
des Goethe-Institutes in Barcelona nachvollziehbar. Auf der
Postersession stellten außerdem Danilo Vetter und Marius Zierold das
Gender@Wiki vor, was im Rahmen eines Projektseminars, durchgeführt am
IBI und am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien,
entstand.
Foto: Sebastian Wilke
Der Kongress wurde ebenso dafür genutzt, um für das brandaktuelle studentische Projekt BOBCATSSS 2008 zu werben sowie um für diese, mit Beteiligung des IBI organisierte, internationale Fachtagung potenzielle Sponsoren anzusprechen und zu gewinnen.
Man braucht gar nicht zu erwähnen, dass eine Vielzahl von weiteren Persönlichkeiten, die am Institut lehren und/oder Absolventen des Instituts sind, ihren Beitrag zum Bibliothekskongress leisteten. Zwei kleine Beispiele: So war Claudia Lux, designierte IFLA-Präsidentin und Honorarprofessorin am IBI, auf dem Kongress quasi omnipräsent und bei der Session zu Bibliotheken und Soziale Software waren der Magister-Alumnus Jakob Voß und die Absolventen des Fernstudiums Patrick Danowski und Annekathrin Genest als Referenten tätig.
Resümee – Pizza gelungen!
Auch wenn man subjektiv nicht ganz überblicken konnte, ob und
inwiefern man konkret mit der prominent angekündigten Pizza-Aktion auch
für eine Beschäftigung mit der Bibliotheks- und
Informationswissenschaft in Berlin anregen konnte, so glaube ich
dennoch, dass sich das Institut, Lehrende wie auch Studierende, auf dem
diesjährigen Bibliothekskongress in Leipzig gut präsentieren konnte.
Man hat im Vergleich zum vergangenen Bibliothekartag in Dresden, ein
Vielfaches an Präsenz und Aktivität gezeigt. Die Vielfalt der Beiträge
und die Vielzahl der Beitragenden aus dem Institut hat in meinen Augen
das vermittelt, für das die Pizza-Aktion stehen sollte – für die die
Variabilität und Flexibilität des IBI und seiner Angehörigen.
Fußnoten: