Direkt zum Inhalt Direkt zur Suche Direkt zur Navigation

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin | Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft | Forschung | Promotion/Habilitation | Abgeschlossene Promotionen | Der Bibliothekssonntag. Die Wiederbelebung der Sonntagsöffnung von Bibliotheken nach historischen und ausländischen Vorbildern in juristischer Perspektive und empirischer Analyse

Ulrike Verch (2005)

Der Bibliothekssonntag. Die Wiederbelebung der Sonntagsöffnung von Bibliotheken nach historischen und ausländischen Vorbildern in juristischer Perspektive und empirischer Analyse

Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft.

"Im Gegensatz zu anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie den Theatern, Kinos oder Museen sind deutsche Bibliotheken im Allgemeinen sonntags nicht zugaenglich. Nur ein Prozent der kommunalen oeffentlichen Bibliotheken und vier Prozent der Hochschulbibliotheken oeffnen an diesem Wochentag. So gering diese Anteile jeweils erscheinen, unterliegen sie seit einigen Jahren einer hohen Wachstumsrate, so dass der Bibliothekssonntag im neuen Jahrtausend inzwischen von zahlreichen namhaften Institutionen angeboten wird und im Hochschulbereich nicht mehr als ungewoehnliche Ausnahmeerscheinung anzusehen ist. Auch in den west- und nordeuropaeischen Nachbarlaendern Daenemark, Finnland, Grossbritannien und den Niederlanden ist mit der Liberalisierung des Ladenschlusses in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ein hoher Anstieg sonntagsgeoeffneter Bibliotheken, insbesondere der Stadtbuechereien, zu verzeichnen. Das Niveau der Vereinigten Staaten von Amerika, in denen jede zweite Public Library und rund Dreiviertel der Hochschulbibliotheken sonntags oeffnet, wird in Europa jedoch nicht erreicht. Gleichwohl folgen auch deutsche Bibliotheksoeffnungszeiten dem auslaendischen Vorbild, mit der Abkehr von den regulaeren Dienstzeiten des Personals einer zunehmenden Flexibilisierung und Ausdifferenzierung im Serviceniveau zu unterfallen. Bereits vor hundert Jahren galt die Kundenorientierung der amerikanischen Gebrauchsbibliothek als wegweisend für die neugegruendeten Lesehallen, die entsprechend den Forderungen der Buecherhallenbewegung ausreichende Oeffnungszeiten für alle Bevoelkerungsschichten anboten, meist in den Abendstunden und am Sonntag. Auch wenn diese Tradition nach dem Ersten Weltkrieg allmaehlich in Vergessenheit geriet, zeigt die vorliegende Untersuchung durch die Analyse von Mitarbeiter- und Kundenbefragungen und eine umfassende Pruefung der Rechtslage auf, dass entsprechende Oeffnungszeiten auch heutzutage moeglich und nachgefragt sind. Gerade Stadtbibliotheken bietet sich die Chance, ihr Dienstleistungsniveau an das anderer kommunaler Freizeiteinrichtungen anzupassen und damit nicht nur zur Belebung des oertlichen Kulturlebens und der Innenstaedte am Sonntag, sondern nach auslaendischem Vorbild auch zur eigenen Profilierung als Freizeiteinrichtung mit hoher Aufenthaltsqualitaet beizutragen."

(Quelle: edoc-Server der HU)

Datum der Disputation: 12.07.2005 - Zugleich erschienen im Logos Verlag (Band 17 der Berliner Arbeiten zur Bibliothekswissenschaft. ISBN: 978-3-8325-1182-1)