Uwe Müller (2008)
Peer-Review-Verfahren zur Qualitätssicherung von Open-Access-Zeitschriften. Systematische Klassifikation und empirische Untersuchung
Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Berlin.
"In der vorliegenden Arbeit wird die Problematik der
Qualitätssicherung beim wissenschaftlichen Publizieren umfassend
diskutiert. Dabei werden die spezifischen Charakteristika hervorgehoben,
die sich aus dem elektronischen Publizieren, Open-Access-basierter
Geschäftsmodelle und insbesondere bei der Realisierung von
Open-Access-Zeitschriften ergeben. Aus den unterschiedlichen Ansätzen,
die für die Qualitätsbewertung und deren wesentliche Zielstellung – die
Herausfilterung relevanter und geprüfter Informationen – infrage kommen,
werden vor allem die Peer-Review-Verfahren näher betrachtet. In diesem
Zusammenhang werden Schwachpunkte und prinzipielle Kritik an Peer Review
aufgezählt und in den Kontext der bisherigen Untersuchungen auf diesem
Gebiet gesetzt. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist eine
Klassifikation von Peer-Review-Verfahren anhand unterschiedlicher
Eigenschaften und deren möglicher Ausprägungen.
Obwohl Peer Review seit Jahrzehnten Gegenstand teils grundsätzlicher
Kritik ist, wird dieser Ansatz noch immer als Mittel der Wahl für die
vor der Publikation stattfindende Qualitätssicherung betrachtet.
Währenddessen stehen die stets an Bedeutung gewinnenden
Open-Access-Zeitschriften unter dem Verdacht, geringere
Qualitätsmaßstäbe anzusetzen und Artikel zu publizieren, die zuvor keine
oder eine weniger strenge Kontrolle durchlaufen haben. Vor diesem
Hintergrund wurde für die vorliegende Arbeit eine umfassende Studie
durchgeführt, die darauf abzielt, Peer-Review-Verfahren
wissenschaftlicher Open-Access-Zeitschriften zu untersuchen. Unter
Nutzung der durch das Directory of Open Access Journals (DOAJ)
bereitgestellten Daten wurden mehr als 3.000 Herausgeber befragt.
Mit einer Rücklaufquote von mehr als 40 % können die gefundenen
Ergebnisse als durchaus repräsentativ betrachtet werden. Sie zeigen
deutlich, dass die meisten Open-Access-Zeitschriften
Peer-Review-Verfahren einsetzen und legen außerdem nahe, dass eine große
Bandbreite unterschiedlicher Verfahren und Eigenschaften von Peer
Review existieren – etwa die gegenseitige Anonymität von Autoren und
Gutachtern, der Informationsfluss, das Verfahren zur Auswahl der
Gutachter und formale Regelungen in Bezug auf mögliche
Interessenkonflikte. Dabei hängt das Aussehen eines konkreten
Peer-Review-Verfahrens wesentlich von dem Wissenschaftsgebiet und der
Art des Verlegers der betreffenden Zeitschrift ab. Darüber hinaus können
Zusammenhänge zwischen externen Qualitätsindikatoren und
Peer-Review-Eigenschaften beobachtet werden."
(Quelle: edoc-Server der HU)
(Quelle: edoc-Server der HU)