Konstantin Hermann (2007)
Der Bestand "Mechanica" der Kurfürstlichen / Königlichen Bibliothek Dresden von 1556 bis 1918. Eine kulturgeschichtliche Studie der Erwerbungswege und Motivationen
Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft.
"Bibliotheken stehen in vielfältigen Beziehungen zu ihren Nutzern. Diese Verbindungen waren bis in das 19. Jahrhundert hinein wesentlich persönlich bestimmt. Erst die entstehende wissenschaftliche Gebrauchsbibliothek ließ diese Beziehungen zwischen Bibliothekar und Leser angesichts stark steigender Benutzerzahlen unbedeutender werden. Im 18. und 19. Jahrhundert waren diese "gelehrten Bekanntschaften" wichtige Grundlagen für Erwerbungsentscheidungen. Vor allem Geschenke und Buchankäufe von Privatpersonen spiegeln das wider.
Exemplarisch wurde dies für ein komplettes Fach kulturgeschichtlich
untersucht: für den Bestand Mechanica der ehemaligen Königlichen Bibliothek
in Dresden. Aufgrund einer trotz der geringen Bedeutung des Fachs
umfassenden Erwerbungspolitik verfügt deshalb die heutige Sächsische
Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden über einen
hervorragenden technikgeschichtlichen Bestand. Erstmals wurden für ein Fach
einer Bibliothek sämtliche Erwerbungswege über mehrere Jahrhunderte
nachgezeichnet. Sie geben reiche Auskunft darüber, wie Freundschaften,
familiäre Bindungen u.a. prägenden Einfluß auf die Erwerbungspolitik
besaßen. Geschenke und Privatverkäufe verdeutlichen dabei ihren Wert: nicht
nur das Buch als solches stand als Objekt bei diesen Erwerbungswegen im
Vordergrund, sondern auch die Beziehungen zwischen Bibliothekar und
gelehrter Welt. Auch heute sind Geschenke oft noch Ausdruck starker Bindung
des Kunden an die Bibliothek, die nicht zu gering geschätzt werden
sollte."
(Quelle: Logos Verlag)